Entwicklung der regionalen Wirtschaft

Christian Grascha, Dr. Marion Villmar-Doebeling, Ulrich Schonlau, Torge Gipp

Kürzlich fand eine Veranstaltung des Kreisverbandes der FDP-
Northeim im Authohaus Herrmann in Northeim statt. Die zwei

Vorsitzenden, Dr. Marion Villmar-Doebeling und Torge Gipp, begrüßten die
Anwesenden führten in die Veranstaltung zum Thema „Entwicklung der
regionalen Wirtschaft“ ein. Als Vortragende eingeladen waren Christian
Grascha, stv. Hauptgeschäftsführer und Leiter der Geschäftsstelle
Göttingen der IHK- Hannover und Ulrich Schonlau, Kreishandwerksmeister.
Sein Impulsreferat begann Christian Grascha mit der Feststellung, dass es
seit ungefähr fünf Jahren kein Wirtschaftswachstum in Deutschland mehr
gebe. Zwar prognostizieren Wirtschaftsforschungsinstitute ein geringes
Wachstum für dieses und die kommenden Jahre. Dieses sei allerdings
wesentlich durch staatliche Investitionen getragen und damit womöglich
nicht nachhaltig. Wirtschaftswachstum müsse primär von der
Privatwirtschaft ausgehen. Grascha betonte ferner, dass weltweit der
Freihandel wachse; dieser jedoch bislang an Deutschland vorbeigehe. Auch
Europa müsse vom Wachstum durch Freihandelsabkommen endlich
profitieren. Aktuell gingen, so Grascha, in Deutschland jedoch in jedem
Monat um die 10.000 Industrieabrebitsplätze verloren. Dieser Trend müsse
so schnell wie möglich gestoppt werden. Auch die Entwicklung am
regionalen Ausbildungsmarkt sei mit rund elf Prozent im gewerblichen
Bereich rückläufig. Das Verbrenner-Aus und seine Auswirkungen auf die
regionale Wirtschaft, so Grascha, sei nach einer Studie insbesondere im
Landkreis Northeim negativ.
Der demografsiche Wandel im Landkreis – seit 2016 gebe es 2600 weniger
Einwohner im Landkreis Northeim – habe vielfältige Auswirkungen auf die
regionale Wirtschaft. Das sei auch für die IHK eine große Herausforderung.
In den Mittelzentren von Hannoversch-Münden, Duderstadt und Northeim
sei der Handel unbedeutend, was sich als große Herausforderung gestalte.

Die Nähe zu Göttingen als Wissens- und Wirtschaftsregion sei jedoch auch
im Hinblick auf die Neugründungen positiv. Göttingen habe die höchste
Gründungsintensität in Niedersachsen. „Davon können wir profitieren“,
betonte Grascha. Im Landkreis Northeim verfüge man über ein gutes
Netzwerk mit Göttingen sowie über eine gute Verkehrsanbindung. Das sei
eine gute Grundlage, um weiterhin starke Akzente für die regionale
Wirtschaft zu setzen und auszubauen.
In Bezug auf die Kommunalwahl stellte Grascha klar: „Wir dürfen nicht
weiter an der Steuerschraube drehen. Der Göttinger Stadtrat hat eine
Bettensteuer beschlossen. Das Anheben dieser Belastungsschraube für
Bürgerinnen und Bürger ist nicht akzeptabel.“ Zusammenfassend brauche
es für die regionale Wirtschaft verlässliche Standortfaktoren, eine
Verbesserung der Steuerlast und niedrigere Energiepreise.
Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau nahm in seinen Ausführungen den
Aspekt der Steuergerechtigkeit auf und betonte, dass neue Steuern auch
auf die Handwerker durchschlagen würden. Das könne nicht im Interesse
der Handwerker sein. Schonlau betonte, dass grundsätzlich der
handwerkliche Nachwuchs nicht gut genug sei. Grundkompetenzen seien
kaum noch vorhanden. Solide Schulbildung bedeute aber solide
Grundkompetenzen: Grundwissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese
gingen, so Schonlau, jedoch zunehmend verloren. An die Politik gerichtet
hob Schonlau hervor: „Irgendetwas stimmt an unserem Schulsystem
nicht.“
Um heutzutage zwei Aufträge zu bekommen, müssten 50 schriftliche
Angebote erstellt werden. Das sei eine große Herausforderung. Hinzu
käme, dass sich ein Mitarbeiter einen Tag im Monat nur mit bürokratischen
Details befassen müsse. Beim Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz sieht
Schonlau einen 2-Mann-Betrieb vor dem Aus. Ein kleiner Betrieb könne das
nicht leisten. Die Elektro-, Heizungs- und Sanitärbranche sei ein gutes
Geschäft. Diese Bereiche seien stark von Innovation gekennzeichnet und
wiesen einen steigenden Frauenanteil bei den Beschäftigten auf. Schonlau
schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Handwerk macht glücklich.
Genau das müssen wir den jungen Menschen näherbringen.“